Wie sind Sie auf den Film aufmerksam geworden?
„Durch die Broker der New Yorker Aktienbörse. Das der Präsenzhandel auch dort ausstirbt, konnte ich in den letzten fünfzehn Jahren selber miterleben. Das Parkett wird schrittweise umgebaut und dient zunehmend als Bürofläche für Broker, die rein auf den elektronischen Handel spezialisiert sind. Der traditionelle Parketthändler bleibt auf der Strecke. Die Schicksale dahinter werden in „Endstation Parkett“ unverblümt und schonungslos gezeigt, was nicht nur für Applaus sorgt.“
Was macht diesen Film so außergewöhnlich?
„Dass die Broker weniger als Geldmaschinen gezeigt werden, sondern vorrangig als Menschen. Meist sind diese etwas skurrile und teils unsympathische Typen, die gerne als ruppige und reiche Erfolgsmenschen erscheinen wollen. Aber schaut man genau hin und nimmt den inneren Kampf dieser Menschen wahr, dann empfindet man Mitleid. Dieser Gegensatz macht „Endstation Parkett“ unheimlich spannend. Hier wird eine Berufsgruppe gezeigt, um die in den letzten Jahrzehnten ein wahrer Mythos geschaffen wurde. Aber die Realität ist anders! Viele stehen am Rande des Ruins und können kaum Rechnungen bezahlen. Die einstigen Könige des Tradings sind Menschen wie du und ich. Menschen, die fehlbar sind und genauso weg rationalisiert werden können wie der Buchhändler durch eBooks oder der Plattenladen durch iTunes.“
Was unterscheidet ihn zu bisherigen Filmen über die Börse?
„Die Offenheit und Ehrlichkeit. Der Regisseur James Allen Smith verurteilt weder das Parkett, noch den elektronischen Handel. Er überlässt das Urteilen dem Zuschauer. Smith hat das Leben dieser Menschen unverfälscht dokumentiert. Es ging ihm nicht darum, einfach ein Bild der Finanzwelt zu zeigen, dass die Öffentlichkeit bestätigt sehen möchte. Vorurteile und Klischees werden nicht einfach bedient, sondern durch das Leben dieser Menschen entweder bestätigt oder entkräftet.“
Ist dieser Film “typisch amerikansich” - oder lassen sich Parallelen zum deutschsprachigen Markt ziehen?
Parallelen gibt es viele. Europas Börsen haben das Parkett in seiner traditionellen Funktion schon längst abgeschafft. Die Computerisierung wurde früher und konsequenter umgesetzt. Schauplatz dieser Dokumentation sind die Terminbörsen in Chicago. Es gibt dort einen wesentlichen Unterschied zu anderen Börsen: Wer dort als Broker auf dem Parkett steht, spekuliert oft mit dem eigenen Kapital. Sie lieben das Risiko und setzen oft Haus und Hof auf’s Spiel.“
Für wen ist dieser Film gedacht?
„Ob Bäcker oder Banker, es ist für jeden etwas dabei. Wer sich für Menschen, Technologie und Geld interessiert und wer keine Klischees blind übernehmen möchte, der ist bei „Endstation Parkett“ genau richtig. Selten wurde dieser geheimnisvolle Berufsstand so ehrlich portraitiert.“
Kann man auch als “Nicht”-Kenner Spaß daran haben?
„Der Film regt generell zum Nachdenken an. Letztendlich geht es um den Wandel der Zeit und die Folgen der Computerisierung für uns Menschen. Das Aussterben des traditionellen Parketthandels ist nur ein Beispiel dafür, was uns die Technologisierung abverlangt. Neue Spielregeln müssen gelernt und akzeptiert werden. Wer sich nicht anpasst oder Schwierigkeiten damit hat, riskiert abgelöst zu werden. Ganz egal welcher Beruf. Das Thema ist weiter gefasst als viele denken.“
(Dieses Interview steht Ihnen zu Promotionzwecken für den Film “Endstation Parkett” im Zusammenhang mit Markus Koch kostenfrei zur Nutzung zur Verfügung. Vielen Dank!)







